Sonntag, 9. Februar 2025

Die Zaubertricks, mit denen wir uns unbemerkt ausnehmen lassen.

Unterscheiden wir Menschen uns sehr von anderen Tieren? Unsere DNA sagt nein, sie ist größtenteils gleich. Unser Verhalten auch nicht.

Ein Experiment mit Affen, die in benachbarten Käfigen eingesperrt waren, zeigte, wie eifersüchtig diese Tiere sind. Schrecklich!

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Ein Affe bekam Gurken, na ja, nicht so lecker für einen Affengaumen, sein Nachbar aber die äußerst schmackhaften Weintrauben. Als der Gurkenempfänger das bemerkte, wurde er furchtbar wütend, und als man ihm dann noch so ein fades Gemüse gab, während sein Nachbar wieder Weintrauben bekam, warf er auch das Grünzeug wütend aus seinem Käfig und benahm sich selbst für einen Affen ungehörig. 

Auch wenn man dieses Experiment meines Wissens später nicht mit Menschen durchgeführt hat, indem man sie in benachbarte Käfige sperrte und unterschiedlich mit Trauben und Gurken fütterte, so kann man doch aufgrund anderer Beobachtungen davon ausgehen, dass auch Menschen neidisch sind. 

Haben Sie schon einmal versucht, dem Hund des Nachbarn den Knochen wegzunehmen, auf den er gerade beißt? Lieber nicht. Hunde und andere Tiere haben eine sehr klare Vorstellung von Besitz. Wird dieser nicht respektiert, werden sie schnell ausfällig.

Die Gattung Mensch ist auch da keine Ausnahme, auch wenn es hier weniger um Knochen geht, an denen man knabbern könnte. Für diese Spezies ist das eigene Auto oder Handy eine heilige Sache, die ein anderer besser nicht anrührt oder gar in Besitz nimmt. Experimente mit kommunalem Eigentum, bei dem alle alles und keiner so gut wie nichts besitzt, sind regelmäßig schiefgegangen.

Das Besondere an Schimpansen ist ihre Gruppenzugehörigkeit. Hat man keine oder nur eine kleine Gruppe, ist man ziemlich aufgeschmissen: Man wird gemoppt und die Bullen lassen einen nicht an die Futterplätze. Wenn sich einer gut besetzten Gruppe eine andere Horde nähert, entscheiden die Alpha-Tiere, den Kampf aufzunehmen, wobei sie vor allem die heranrückende Generation der Beta-Tiere anspornen, es den anderen ordentlich zu zeigen und sie weit weg zu jagen - sofern diese Feinde dann noch laufen können. Für die Leittiere hat das klare Vorteile: Die fremde Horde ist wieder weg, etliche der Anwärter, die demnächst selbst zu den Alphatieren zählen wollten, sind für die gute Sache gestorben und es herrscht erst einmal äußerer und innerer Friede.

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Ich muss hier einen kleinen Einschnitt machen, bevor ich auf die territorialen Ansprüche des heutigen Menschen zurückkomme. 

In der Tierwelt gibt es andere Formen der Revierverteidigung. Die Vögel zum Beispiel zwitschern und singen. Eine friedliche und sehr zivilisierte Art, seinen Lebensraum zu markieren. Nun sind die Vögel Nachfahren der Dinosaurier. Und die Dinosaurier tauchten auf unserem Planeten vor mehr als 245 Millionen Jahren auf. Die Säugetiere aber erst 45 Millionen Jahre später. Die sind irgendwie weiter entwickelt als wir, die Dinosaurier oder was von ihnen übrig geblieben ist. Da haben wir also noch ein bisschen Zeit, in unserem Verhalten aufzuholen. Immerhin gibt es Ansätze: Beim Fußball zum Beispiel kann sich der Schiedsrichter schon mit einem Pfiff vor 22 Spielern und einer Menge aufgebrachter Zuschauer durchsetzen. Und viele Menschen in Europa pfeifen auf jeden Gurkenkönig im
Kreml, und seinen Anspruch, uns alle unter seine Knute zu bringen.

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In diesen langen Zeiträumen, die ich im vorigen Absatz beschrieb, sind die paar Jahrtausende, seit die Menschen sesshaft wurden, natürlich lächerlich kurz. Deshalb ist es im Grunde auch unfair, wenn ich mich jetzt schon kritisch oder sarkastisch zu den anfänglichen Folgen der Sesshaftigkeit äußere. Aber ich wage es trotzdem, in der vagen Hoffnung, die Zeit bis zur Besserung der Verhältnisse zu verkürzen.

Die Menschen, eine vorher umhertrottelnde Meute, haben sich also angesiedelt, Häuser gebaut, Zäune errichtet. Regeln erfunden, wem welches Land gehören sollte. Samen gesät, Tiere gehalten. Land wurde Kulturland. Und Kultur entwickelte sich auch im Allgemeinen, nur überall ein wenig anders. Die Sprache auch.

So habe ich zum Beispiel beobachtet, wie Deutsche und Rumänen Bananen essen. Die Deutschen ziehen die Schale am Stiel ab. Rumänen pulen auf der anderen Seite des Stiels die Schale auf und ziehen sie dann ab. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Affen meist einfach in die Frucht beißen und die bittere Schale auf den Boden spucken.

Territoriale Ansprüche und kulturelle Bräuche führten dann vor zwei Jahrhunderten zur Bildung von Nationen. Diese Einteilung ist aber noch nicht ganz gefestigt. Eigentlich kann man seine Nation nur dann als sicher bezeichnen, wenn man über Atomwaffen verfügt oder einen guten Freund hat, der sie im Falle eines Angriffs für einen einsetzt, und wenn man möglichst niemanden ins Land lässt, der die Bananen anders isst oder eine unverständliche Sprache spricht und damit die eigene kulturelle Überlegenheit grundsätzlich in Frage stellen könnte.

Nun, um es kurz zu machen: Wie für die meisten Wirbeltierarten sind für uns Territorium, Gruppe und Besitz gegenüber Dritten extrem wichtig. Und da Güter bis auf Luft (noch, denn ob es so bleibt, wird sich zeigen) knapp sind, spielt der Neid auf die Trauben anderer - übrigens auch untereinander in der Gruppe - eine nicht zu übersehende Rolle in unserem Verhalten.

Und genau das wird, seit wir sesshaft geworden sind, von unseren Alphatieren immer und immer wieder ausgenutzt, um uns Normalbürger bei der Stange zu halten und damit ihre Macht über uns zu festigen. Wie der Trick des Zauberkünstlers, der uns mit der einen Hand etwas zeigt und uns damit davon ablenkt, dass er hinter der anderen Hand das Kaninchen versteckt hält, das er angeblich aus dem Hut zaubert - so werden wir mit Schlachtrufen von National- und Stammesstolz, Besitz und Neid dazu gebracht, nicht zu merken, dass es den Herren Alphatiere nur um Macht und viel, sehr viel Geld geht - und dass ihnen diese Dinge, die wir für sie verbissen verteidigen, im Grunde völlig egal sind. Warum? Weil sie diese in ihrer Position sowieso nicht brauchen.


Das erheiternde Video des Neidexperimentes mit den Kapuzineraffen können Sie z.B. hier.

Und den köstlichen Kinderroman von Christine Nöstlinger, dessen Text auch Erwachsenen noch zugänglich ist, kann man immer wieder nur empfehlen, [siehe z.B. hier].